Irgendwie kommt mir das alles wie ein Traum vor. Es passiert soo viel in so kurzer Zeit, dass ich kaum Zeit habe alle meine Erlebnisse zu verarbeiten, da gleich schon wieder etwas neues, spannendes passiert.
Auch wenn meine Zeit auf dem Boot schon wieder 2-3Wochen her ist, versuche ich mich zu erinnern, und es bestmöglich wiederzugeben.
Aber wo soll ich beginnen? Vielleicht am Anfang..
Am 5.Juni gings also los von Broome, wo mich Craigh (mein Babysitterboss und Eigentümer der Truenorthjacht) am Crewhaus abgeholt hat, und zum Strand gefahren hat. Von dort gings mit Mickey mit einem der Fischerboote zur Jacht, wo ich erstmal eine kleine Führung bekommen habe, und ich mich in meiner Kabine ausbreiten konnte, bevor einige Stunden später die Passagiere an Bord kamen.
Im kurzen Röckchen und Poloshirt mit Truenorthlogo (meiner Uniform für die nächsten 2 Wochen) habe ich mit den anderen Crewmädels an Bord die Gäste mit einem Gläschen Prosecco begrüßt, und kaum zu glauben: der erste Gast, mit dem ich gesprochen habe war aus München! Das war wirklich ein Zufall, denn eigentlich machen auf dem Boot nur reiche Australier Urlaub, aber da das Unternehmen in Zukunft internationaler arbeiten möchte, war Thomas, der in München ein Reisebüro besitzt an Bord, um sich diese Luxusreise mal selbst anzuschauen, damit er weiss, was er in Zukunft verkauft.
Und nicht nur er wird dieses Abenteuer gut verkaufen, sondern auch ich kann jedem Lottogewinner diese Art von Urlaub empfehlen! Es war unglaublich was ich erlebt habe, und was den Passagieren geboten wurde. Aber kein Wunder bei einem Preis von 18.000 -25.000Dollar für 2 Wochen! Da kann man schon eine 5-Sterne-Küche, Inselabenteuer, Fischerausflüge, Wasserfallwanderungen und Helikopterrundflüge erwarten.
Meine Berufsbezeichnung für 2 Wochen hieß “Tuckery”, was bedeutet hat, dass ich dort einerseits das Zimmermädchen und die Küchenhilfe war, aber andererseits auch sehr viele Ausflüge und Aktivitäten mit den Gästen mitmachen durfte. Täglich bin ich wie all die anderen gegen sechs aufgestanden, habe jeden 3.Tag gleich mal 2 Toiletten geputzt, beim Frühstücksdienst mitgeholfen, und dann meistens meine 4 Bäder inkl. Zimmer geputzt. Falls am Vormittag eine tolle Aktion für mich dabei war, wurde die Arbeit auf den Nachmittag verschoben, und ich durfte mit den Jungs auf Ihren Fischerbooten (6 Stück für je ca. 6Personen waren an Bord) täglich eine neue Seite Australiens entdecken.
Täglich wurde den Gästen etwas neues aufregendes geboten, da wir meistens in der Nacht gefahren sind, und somit morgens an einem neuen Ort waren. Für die Passagiere war es mit Sicherheit auch kein Erholungsurlaub, da schon zwischen 6.30 und 7.00 Uhr Frühstück war, und es dann gleich zur ersten Wanderung oder ähnlichem ging.
Oft wurden wir mit dem kleinen Booten an Festland oder einer Insel abgesetzt, sind dann zu einem Wasserfall gewandert, waren schwimmen, und sind dann wieder zurück, oder wurden vom Hubschrauber (der auch die ganze Zeit an Bord war) abgeholt. Wenn das Festland nicht interessant genug war, gab es 2 Möglichkeiten sich die Zeit zu vertreiben: mit einem der Boote rumgfahren (australisches Sightseeing), und sich die Gegend anschauen, und von einem Geologen, Biologen o.ä. die Landschaft und die Tierwelt um einen herum erklären lassen, oder Fischen gehen. Ich fand beides interessant! Inselhopping und Bootsfahren war meistens sehr entspannend, und fischen spannend! War das Erste mal mit Mickey und 2 älteren Herren fischen, und wir hatten so viel Spass, da ich jedes Mal so aufgeregt war, wenn ein Fisch angebissen hat. Und dann war aber harte Arbeit angesagt, denn die Angelleine musste schnell, aber vorsichtig an Bord gezogen werden. Habe oft meinen Fisch verloren, oder sie waren so clever, das sie nicht angebissen haben, sondern nur vom Köder “probiert” haben, und ich wieder von neuem starten musste. Nach einigen kleinen Fischen habe ich aber auch einmal einen ca. 70cm großen “Golden Snapper” gefangen. Töten konnte und wollte ich Ihn aber nicht - das habe ich dem Tourguide überlassen. Mit unserer Beute sind wir dann oft gegen fünf zurück aufs große Boot, wo täglich um sechs eine Slideshow mit den Fotos des Tages gezeigt wurde, und Barsnacks angeboten wurden.
Um sieben gabs Abendessen, was die Köche Richard und Yoda mit viel Können und unglaublicher Deko zubereitet haben. Es war so interessant zu sehen, was sie auf den Teller gezaubert haben. Nicht nur, dass es super geschmeckt hat, aber auch wie es auf dem Teller präsentiert wurde.. einfach der Hammer! Ich habe wohl noch nie (außer bei Mama) so gut, aber auch soo schnell gegessen. Wir Crewmitglieder hatten keine Zeit unser Dinner zu genießen, weil wir gegessen haben, während die Gäste gegessen haben, und somit immer wieder zwischendurch etwas zu tun war, wie abräumen, Wein nachschenken, abwaschen, Dessert bringen… . Wir saßen immer nur kurz für 1-2Minuten aufm Boden im Büro, und haben das Essen in uns hineingeschlugen, aber gut wars trotzdem! Nicht nur die Essenszeit war stressig, auch der ganze Tagesablauf. Nicht eine Minute hatte man für sich, und nach einem harten Arbeitstag ist jeder spätestens gegen zehn totmüde ins Bett gefallen. Ich habe meine Kabine nur mit Kay geteilt. Sie ist Cruisedirector, auch 28, und ist zuständig für die Zufriedenheit der Gäste, und deren Tagesablauf (Wer macht wann welche Tour, Wer ißt was nicht? …). Also mit dem Job des Kapitäns einer der verantwortungsvollsten Jobs an Bord. Wobei letztendlich jedes Crewmitglied wichtig ist, und jeder jedem hilft soweit es geht. Es war wirklich schön zu sehen, das selbst der Kapitän und die Ingenieure in die Küche kamen und selbst Ihr Zeug weggeräumt haben. Auch die Gäste waren - nicht wie man vielleicht erwarten könnte - abgehoben und eingebildet, weil sie große Unternehmer oder sonst was sind, sondern einfach entspannt, interessiert und unproblematisch. Im Vergleich zu den anderen Mädels an Bord konnte ich durch die Ausflüge recht viel Zeit mit Ihnen verbringen und mich mit Ihnen unterhalten, und 2 mal durfte ich auch mit den Gästen am schön gedeckten Tisch Abendessen. Jeden Abend duften 2-3 Crewmitglieder den Abend mit den Gästen am Tisch sitzen und entspannen. Und dabei ging es nicht darum was oder wer man an Bord ist, sondern dass man einfach ein Team ist, und jeder das Recht hat, den Luxus zu genießen sich bedienen zu lassen.
Ich weiß nicht, ob so etwas in Europa möglich wäre, dass das Zimmermädchen neben dem Bankboss sitzt, aber gerade dass hat vielleicht deren Abend interessant gemacht? Ich denke das ist einer der typisch australischen Eigenschaften, dass es nicht darum geht wer was hat oder macht, sondern darum dass man einfach jeden akzeptiert, so wie er ist. Natürlich habe ich z.B. in den Zimmern die ganzen Luxuskosmetikartikel und die Designerkleidung gesehen, aber trotzdem schienen mir die Leute “auf dem Boden geblieben”. Geld heißt natürlich nicht zwangsläufig arroganz, aber ich denke schon, dass das Verhalten der Europäer auf so einem Boot etwas anders gewesen wäre. Aber vielleicht hatte ich auch einfach nur Glück, und habe nette Passagiere erwischt. Für die meisten war es interessant was ich so in Australien mache, und es kam immer eine positive Reaktion als ich gesagt habe, dass ich in Wien wohne. Ist wirklich interessant, was für einen positiven Ruf die Stadt auf der anderen Seite der Welt hat!
Eigentlich könnte ich über jeden einzelnen Tag an Bord zwei Blogeinträge schreiben, und wenn mich jemand nach meinem Highlight dort fragen würde, wüßte ich nicht ob es einer der Helikopterscenicflights war, das Picknick an einem verlassenen Wasserfall, einer der Sonnenuntergänge, die Aborigineszeichnungen auf einem Berg (Rockart), oder die Partynacht in verschiedenen Kostümen. Die ganze Tour war definitiv ein Highlight meiner einjährigen Reise. Mittlerweile bin ich seit einigen Tagen in Darwin, und auch von hier gibt es wieder viel zu berichten, aber das beim Nächsten mal!
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