Freitag, 14. Mai 2010

Everyday life in Broome



Nach guten 6 Wochen in Broome habe sogar ich hier einen Alltag, was aber keineswegs negativ ist. Zu meinem Nannyjob habe ich noch einen Job als Kellnerin für 2-3 Tage im “Broome Boulevard Cafe” gefunden und bin somit 5-7 Tage pro Woche am arbeiten. Aber das ist gut so, denn ich bin beschäftigt, und kann für meine weitere Reise Geld sparen. Außerdem kann ich während der Arbeit kein Geld ausgeben, und hab auch noch gratis englisch Unterricht ;-)! Bin froh, dass ich 2 Jobs , und somit Abwechslung habe. Kann nicht wirklich sagen was anstrengender ist.. viel laufen und freundlich sein muss ich bei beiden! Besonders im Cafe komm ich mir manchmal vor wie beim Marathon, da ich nur am rennen bin und es oft kein Ende nimmt, aber dafür muss ich nicht noch zusätzlich Sport machen ;-)!

Wenn ich nicht arbeite, bin ich mit meinen Mitbewohnern daheim, und wir kochen, schauen Fernseh und quatschen, oder ich treff mich mit Alex, und wir machen ne Movienight bei Ihm, gehen Essen, kochen oder wir fahren so wie die “Locals” hier mit seinem 4 WD-Adventure-Car (Jeep mit Vierradantrieb)zum Strand und schauen uns die wunderschönen Sonnenuntergänge mit ein, zwei Bierchen an.
Und dann gibt’s ja auch noch immer wieder die Crewmitglieder vom Boot, die Abwechslung ins Crewhaus bringen, wie erst letzten Freitag als die Luxusjacht mal wieder in Broome war...aber dazu nächstes mal mehr!

Alex habe ich hier im “Coles” (Supermarktkette) kennengelernt. Er hat mich angesprochen, wir haben kurz geredet, und das wars. Einige Tage später haben wir uns in einem Straßencafe zufällig wieder getroffen, jedoch habe ich Ihn nicht gleich erkannt, denn: im Supermarkt hatte er einen Anzug an, und einige Tage später war er sehr sportlich gekleidet, ist aus seinem roten, tiefergelegten Poserschlitten ausgestiegen, und hatte ne Sonnenbrille an! Und jetzt wird’s peinlich/lustig:
Er hat mich gefragt, ob ich Julia bin, und ich war daraufhin total verblüfft, woher “der Fremde” meinen Namen weiß. Anhand meines Gesichtsausdrucks hat er mir auf die Sprünge geholfen, und mich daran erinnert, dass wir uns im Coles gesehen haben. Daraufhin habe ich mit einem verlegenen lächeln geantwortet: “Oh yes of course! You re the one in the suitcase!”
Und genau in dem Moment dachte ich mir: “Oh nein.. irgendwas stimmt nicht!” Er hat mich nicht korrigiert, aber gelacht, und mich zum BBQ angeladen. 2 Minuten später als er weg war, haben Marie (eine französische Freundin) und ich uns kaputt gelacht, denn eigentlich wollte ich sagen.. “Jaja, Du hattest neulich einen Anzug an, und stattdessen habe ich gesagt, Du in dem Koffer”! (Suitcase = Koffer! Suit = Anzug! - die Vokabeln hab ich jetzt drauf!)
Naja, nichtsdestotrotz, oder gerade deshalb haben wir uns getroffen, und verbringen seitdem immer wieder mal Zeit miteinander. Er kennt hier nämlich auch noch nicht so viele Leute, da er auch erst vor 2-3Monaten hergezogen ist. Er ist Südafrikaner und arbeitet seit 5 Jahren als Anwalt, zuerst in Perth, und jetzt für mindestens 1 Jahr in Broome.
Ist interessant mit Ihm Zeit zu verbringen, und viel über Südafrika und Zimbabwe (wo er aufgewachsen ist) und seinen Job hier zu erfahren. Neulich gabs sogar typisch afrikanisches Essen! Und außerdem hab ich noch nie einen südafrikanischen Anwalt mit einem Marijuanablatt auf dem Oberarm tättowiert kennengelernt! Als ich die Tättowierung zum Ersten mal gesehen habe, musste ich erstmal total lachen, und konnte nicht glauben, dass sie echt ist, aber jeder hat so seine Vergangenheit, und manchmal kann und/oder will man sie nicht vertuschen, weil sie einfach zu einem selbst gehört!

Und dann habe ich hier am Spielplatz noch Lya (Ursula) aus Würzburg kennengelernt, die auch noch vor nicht allzu langer Zeit hier als Traveller mit Ihrem eigenen Auto durch Australien gereist ist, aber mittlerweile Mama von einem einundhalbjährigen Sohn ist.
So schnell kanns gehen! Sie hat sich damals in einen Australier aus Cairns verliebt, einige Monate zusammen verbracht, schwanger geworden, Ihr Kind in Deutschland zur Welt gebracht, und jetzt ist sie seit letztem Herbst hier in Broome! So schön das vielleicht für manche klingen mag - AUSTRALIEN! SCHÖNES WETTER! MEER!.. Sie hat es nicht leicht, und langweilt sich hier ziemlich! Daher ist sie zum Glück ein abschreckendes Beispiel für mich ;-)!
Ihr Alltag besteht daraus, auf den Kleinen aufzupassen - weit weg von Ihren Freundinnen, die auch schon Kinder in Deutschland haben! Eigentlich ist sie Architektin, aber sie arbeitet nur wenige Stunden hier in Broome, weil Timo sie braucht, und der Papa Vollzeit auf einer Perlfarm arbeitet.
Sprachlich ist es auch nicht immer so leicht für sie sich mit Ihrem Freund zu verständigen. Natürlich ist Ihr Englisch mittlerweile ziemlich gut, aber manchmal kann man einen Witz, Ironie, oder seinen wahren Charakter nicht so rüberbringen wie in seiner eigenen Muttersprache. Das fällt mir selbst auch immer wieder auf!
Klingt egoistisch, aber ich bin froh, dass ich nicht Ihre Probleme habe, denn jetzt ist auch noch das 2.Kind unterwegs, das auch in Deutschland geboren werden soll, und dann die große Frage: zurück nach Australien?!
Die Sache mit dem Auswandern habe ich früher, also vor meinem Reiseantritt anders gesehen. Ich habe es mir leichter vorgestellt, aber es gibt immer auch so viele Seiten, die sich erst im Laufe der Zeit herauskristallisieren. Andererseits muss man sich vielleicht auch erst ein paar Jahre “einleben”, denn es braucht seine Zeit, bis man die Sprache gut beherrscht, und man eine gute Arbeit und Freunde findet. Es liegt an jedem selbst, was er aus seiner Zukunft macht. Manchmal muss man einfach etwas riskieren (wie z.B. Mama und Papa damals, als sie den Mut hatten die Slowakei zu verlassen, worauf ich sehr stolz bin)!
Ich will hier nicht meine Zukunft verbringen (aus momentaner Sicht), aber ich bin sehr, sehr froh, dass ich es riskiert habe, für ein Jahr aus meinem “Alltag” in Wien auszusteigen, und ich bin sehr froh, dass ich nicht kündigen musste, um mir diesen Wunsch zu erfüllen, sondern im Oktober wieder anfangen kann zu arbeiten (Danke Fr.Dr.Scholz!).
Es wird sicherlich hart und ungewohnt, aber darüber will ich jetzt noch gar nicht nachdenken, denn zum Glück habe ich noch 4 Monate vor mir! “Nur noch”!